Nochmal gut gegangen
Autorin:Thea Denker
zu DDR-zeiten gingen wir frauen mit 60 in rente, das wichtigste dabei:
wir bekamen einen reisepass. ich besuchte meine verwandten in westberlin,
kannte also die gepflogenheiten beim passieren der grenze, kontrolliert wurde vornehmlich, wer verschnürte pakete mit sich führte. ich transportierte alles in originalkartons, z.B. auch einen kleincomputer der marke Sharp, ich wurde nie rausgewinkt.
nun erbte 1988 mein schon sehr kranker mann von seiner mutter 20.000 D-Mark, - für uns eine utopische summe, die er unbedingt in den händen halten wollte. einzige legale möglichkeit, sie an der grenze 1:1 zu tauschen, - ade, schönes "Westgeld"! aber nicht mit uns!
ich sagte: "Lasst mich mal machen!", bat meine schwägerin in Westberlin um möglichst große scheine, die wir über nacht unter schwere bücher legten - was für ein dünnes bündel! - steckte es lose in eine rechte jackentasche, reihte mich an der grenze zu Ostberlin in die warteschlange. endlich an der reihe, bellte der zöllner im schönsten Berliner dialekt: "watt zu verzoll’n?" ich lächelte ihn charmant an (das konte ich damals noch), betonte jedes einzelne wort: : "ich habe zwanzigtausend D-Mark in meiner rechten jackentasche!" dem klappte der kiefer runter, er starrte mich dümmlich an, legte dann seine miene in böse dienstfalten, bellferte: "veräppeln kann ick ma alleene!", zeigte mit dem daumen in richtung schlagbaum, erst als ich den passiert hatte, begannen mir die knie zu zittern. das war die einzige "straftat" meines lebens!
You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.
Posted in German |


Leave a Reply